Buch-Check

Griff nach den Sternen
Harald MellerKai Michel

Ob Stonehenge, die Tempel Babylons oder ägyptische Göttermythen: Die frühen Zivilisationen versuchten, die Geheimnisse des Himmels zu entschlüsseln. Seit dem spektakulären Fund der Himmelsscheibe von Nebra, der ältesten konkreten Darstellung des Himmels, wissen wir, dass auch in Mitteleuropa vor fast viertausend Jahren eine Kultur blühte, die nach den Sternen griff. Durch Handel reich geworden, ließen sich ihre Herrscher in gewaltigen Grabhügeln bestatten. Harald Meller und Kai Michel stellen in ihrem neuen Buch die Welt der Bronzezeit in faszinierenden Bildern vor. Sie zeigen, wie Archäologen immer neue Kontakte zwischen den Kulturen aufdecken, und präsentieren die neuesten Erkenntnisse der Forschung darüber, auf welche Weise das Wissen der Himmelsscheibe nach Nebra gelangt sein könnte.

Propyläen Verlag – Hardcover, 272 Seiten
€ 39,00

Flüchtiges Begehren

Commissario Brunettis dreißigster Fall

Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz

Samstagabend auf dem Campo Santa Margherita. Nach einem Drink lassen sich zwei Touristinnen von ein paar Einheimischen zu einer Spritztour in die Lagune verführen. In der Dunkelheit rammt das Boot einen Pfahl, und die Amerikanerinnen enden bewusstlos auf dem Steg des Ospedale. Warum alarmierten ihre Begleiter nicht die Notaufnahme, wenn alles nur ein Unfall war? Je hartnäckiger Brunetti ermittelt, desto näher kommt er einem Monstrum, vor dem sich selbst die Mafia fürchtet.

Hardcover Leinen, 320 Seiten, erscheint am 26. Mai 2021

Gebundene Ausgabe € 24.00

Französisches Roulette

Der dreizehnte Fall für Bruno, Chef de police

Aus dem Englischen von Michael Windgassen

Es ist Sommer im Périgord. Im Südwesten von Frankreich leben die Menschen lang und glücklich. Darauf spekuliert auch der Witwer Driant, als er seinen ganzen Besitz auf ein lebenslanges Wohnrecht in einer schicken Seniorenresidenz setzt. Er weiß nicht, dass das Roulette-Rad tausende Kilometer weit entfernt von einem russischen Oligarchen gedreht wird. Kurz darauf ist Driant tot – rien ne va plus.

Saint-Denis trauert um einen von Brunos Rugbyfreunden, der plötzlich verstorben ist. Allzu plötzlich, findet Bruno. Seine erste Spur führt den Chef de police zu Briefkastenfirmen auf Zypern, Malta und in Luxemburg, die einem russischen Oligarchen gehören. Nur Bruno ahnt das große Spiel dahinter.

Kurz darauf erscheint dessen bildhübsche, hochmusikalische Tochter auf dem Plan. Sie hat sich in den Sohn einer britischen Rocklegende verliebt, die in einem alten Château ihr Comeback plant.

Diogenes Verlag – Hardcover Leinen – 400 Seiten – 24 Euro

7 Zentimeter Messi

101 Karten über Fußball

Kartenbücher, insbesondere die des Magazins „Katapult“, erfreuen sich großer und steigender Beliebtheit. Bis dato allerdings fehlte diese faszinierende Art optischer Aufbereitung von Daten zum Thema „Fußball“. Ein solches Buch legt Datenjournalist Björn Rohwer nun vor. Es geht um nerdige Gedankenspiele sowie kritische Visualisierungen – diese Mischung aus Kuriositäten, originellen Aspekten und Wissen wird eine große Zahl von Fußballfans begeistern.

Verlag Die Werkstatt
Hardcover, 
224 Seiten
22 Euro

 

Tagsüber Zirkus, abends Theater

Eine Wohnung in Hamburg-Eppendorf, Mann und Kind – die perfekten Zutaten für eine Kleinfamilie? Nicht für Claudia. Denn in Eppendorf herrschen andere Regeln. Bei Kindergeburtstagen kommen immer Mama und Papa (aus Angst, das Kind könnte beim Topfschlagen zu Tode kommen). Schnell lernt sie schnell die beruhigende Einsamkeit von Badezimmern schätzen (man kann die Tür abschließen). Claudia Haessy erzählt wunderbar und unheimlich witzig von den ersten Jahren als Mutter, in denen sie vor allem feststellt, dass das Glück im Unperfekten liegt: man kann getrennt leben, aber trotzdem zusammen sein; und vielleicht ist sie nicht Hamburg-Eppendorf, sondern einfach Barmbek-Süd.
Claudia Haessy hat einen einmaligen Ton: Scharfsinnig und mit derbem Humor erzählt sie von ihren ersten Jahren mit Kind und spricht damit allen Eltern aus der Seele.

RoRoRo
Paperback, 12,99 Euro

 

Vom Leben in Venedig

In „Als ich einmal in den Canal Grande fiel“ wirft Petra Reski einen wehmütigen Blick hinter die Kulissen Venedigs und erzählt, wie es ist, in einer Stadt zu leben, der es zum Verhängnis wird, dass sie von aller Welt geliebt wird.

Von Touristen überrannt, vom Hochwasser bedroht – und dennoch die schönste Stadt der Welt: Petra Reski, die seit den Neunzigern in der Lagunenstadt lebt und sie kennt wie keine Zweite, erzählt so atmosphärisch wie schonungslos vom Leben in Venedig. Einst hat sie ihr Herz an einen Venezianer verloren – längst hat sie sich in dessen Heimatstadt verliebt. Doch Kreuzfahrttourismus, Immobilienspekulation und gewissenlose Bürgermeister setzen der Stadt zu. Petra Reski kennt sie noch, die alten Venezianer und die Geheimnisse dieser Stadt, sie zeichnet ein wehmütiges Bild von Venedig, dessen Untergang es unbedingt zu verhindern gilt.

„Als ich einmal in den Canal Grande fiel“ ist eine mitreißende und die Augen öffnende Lektüre für alle Venedig-Liebhaber.

Droemer

Hardcover, 18 Euro

DAS BESTE FUSSBALLBUCH ALLER ZEITEN*

(*Wie Zlatan es nennen würde)

Klar, er ist ein unfassbares Großmaul – zumindest für die einen. Der andere Teil der Fußballfans feiert Zlatan Ibrahimovic bedingungslos. Weil er der letzte große Rockstar des Fußballs ist. Weil er ein Mann ist, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Weil er – politisch hoch unkorrekt – den Über-Trainer Pep Guardiola disst. Und weil er einfach und vor allem ein geiler Typ ist, der überall (abseits von Barca) fett abgeliefert hat. Ben Redelings zählt eindeutig zu jenen Anhängern des Sports, die Zlatan lieben und der „Sprüchekönig“ hat der stimmgewaltigen Stürmer-Ikone mit diesem Buch (noch zu Lebzeiten) ein Denkmal gesetzt. Redelings hat die besten, lustigsten, nachdenklichsten, absurdes/en und durchgeknalltesten Sprüche des schwedischen Wunderstürmers gesammelt. Herausgekommen ist, wie Zlatan sagen würde: „Das beste Fußballbuch aller Zeiten“ – und wer sind wir denn, einem Fußballgott zu widersprechen.

Zlatan sagt – Verlag die Werkstatt

144 Seiten, Hardcover, € 16,-

Sweet Dreams

Als die Achtziger ausbrechen, ist Frank Goosen dreizehn, als sie enden, vierundzwanzig. Dazwischen: Schulterpolster, Synthiepop – und jede Menge Veränderung im Ruhrgebiet. Kultur statt Kohle lautet die Devise: Während Zechen und Hochöfen stillgelegt werden, erobert Schimanski die Fernsehbildschirme und Starlight Express die Rollschuhbahnen. Beste Voraussetzungen also, um erwachsen zu werden! In seinen neuen Stories und Glossen nimmt Frank Goosen uns mit in diese legendäre Zeit des kulturellen Wandels. Denn während man sich im Ruhrgebiet zu neuen musikalischen und modischen Höhen aufschwingt, fängt auch für ihn das Leben erst richtig an: Mit fulminantem Witz und viel Selbstironie berichtet er von merkwürdigen Ritualen beim Trio-Konzert und von der Jagd nach dem perfekten Mixtape für Claudia, Kerstin und Frauke. Er erklärt, wieso die Achtziger für ihn vor allem nach Videotheken rochen und wie Billy Crystal ihm einmal eine Beziehung ruinierte. Eine so persönliche wie vergnügliche Zeitreise – für die, die dabei waren, und für alle anderen.

Klartext, 234 Seiten, Paperback, 11 Euro

Die Macht des Charlatans

Wir lesen die kulturhistorische Analyse einer Gestalt, die in wechselnden Rollen die europäische Geschichte seit dem Altertum heimsucht – geschrieben 1937 von der jüdisch-österreichischen Gelehrten Grete de Francesco. In den verschiedenen Charakterzügen des Scharlatans sind schon seine modernen Nachfolger zu erkennen: Hier die Gier der Homöopathie – „Charlatan ist derjenige, der sich rühmt, zu wissen, was er nicht weiß, und Fähigkeiten zu haben, die er nicht hat“ – , dort der Populist, der mit den Tugenden der Erfolgreichen bricht: „Die Macht des Charlatans bestand darin, daß er alle Unsicherheiten einer religiösen, geistigen, historischen oder ökonomischen Situation durch mannigfaltige Fälschungen so auszunützen und zu lenken wußte, daß eine Wertwelt enstand, in der seine eigenen Unwerte zu Werten wurden.“

De Francesco reist durch Wort und Bild durch die Jahrhunderte und entdeckt uns einen markanten Akteur unserer Kultur: In den Taschenspielertricks der Wunderheiler und den Maskenspielen der Verwandlungskünstler auf den Jahrmärkten des 18. Jahrhunderts lassen sich schon die Mechanismen entdecken, die zu späterer Zeit in verheerender Weise die Massen zu beeinflussen und zu beherrschen vermögen. Die Beispiele, die sie in Literatur und Bildkunst für die habsüchtigen und opportunistischen Wahrheitsbeuger findet, fügen sich in eine Erzählung von der Verführbarkeit des Menschen.

Von den Alchimisten und Goldmachern zu den Salbenkrämern und Schwarzkünstlern geht de Francesco durch die Bilderwelten von Renaissance und Barock und präsentiert uns die Meister der Fälschung und auch – ihr Publikum. Denn ihr Buch ist ebenso kultur- und kunstgeschichtliche Studie wie soziologische Untersuchung: Der Tinkturenmischer braucht sein Publikum, es braucht ihn. Die Scharlatanerie ist ein Spiel mit den Hoffnungen des Publikums und der Massen. „Die Hauptkonsumentin der gefälschten Stoffe, die Masse, will sich billig jene Güter zu eigen machen, deren Besitz wegen Teuerkeit die Wenigen, eben die Besitzenden charakterisiert; sie will vermittels der Fälschung etwas scheinen, was sie nicht ist und taucht diesen Wunsch vor sich selber und vor anderen in Geheimnis.“

Von den Geheimtränken ist es nur ein Schritt zum Betrug mit wissenschaftlichen Methoden, wie de Francesco mit Verweis auf die Erkenntnisse der Humanisten zeigt. Im 18. Jahrhundert wusste man schon vom Blendwerk auch im Politischen: „Dort Elixiere, hier Meinungen – am Ende läuft es auf eins heraus.“

„Die Geschichte des Scharlatans schreiben heißt, die Vorgeschichte der Reklame darstellen.“ – Walter Benjamin 1937 in einer Rezension zu Die Macht des Charlatans

AB – Die Andere Bibliothek

456 Seiten – 44 Euro

 

Warum schläft der Polizist?

Von »Born in the U.S.A.« über »Pulp Fiction« bis zum »culture clash« — die 99 witzigsten Episoden aus den Untiefen des deutsch-englischen Kulturkosmos! »Lost in Translation«-Kolumnist Bert Giesche deckt humorvoll auf, wo die Übersetzer unserer Kultfilme, TV-Serien und Lieblingsromane sich sprachlich in die Nesseln gesetzt oder auch mal das Beste aus der Vorlage herausgeholt haben. Er knackt die letzten (inter)kulturellen Rätsel, spürt eingewanderte Wörter wie den »Babyboomer« auf und erklärt, weshalb die »Herzlich-Willkommen«-Matte für neue Anglizismen nur unter ganz bestimmten Kriterien ausgelegt werden sollte.

Klartext-Verlag

208 Seiten – Broschur – 16,95 €*