Medienbüro Franken

Buch-Check

Vom Leben in Venedig

In „Als ich einmal in den Canal Grande fiel“ wirft Petra Reski einen wehmütigen Blick hinter die Kulissen Venedigs und erzählt, wie es ist, in einer Stadt zu leben, der es zum Verhängnis wird, dass sie von aller Welt geliebt wird.

Von Touristen überrannt, vom Hochwasser bedroht – und dennoch die schönste Stadt der Welt: Petra Reski, die seit den Neunzigern in der Lagunenstadt lebt und sie kennt wie keine Zweite, erzählt so atmosphärisch wie schonungslos vom Leben in Venedig. Einst hat sie ihr Herz an einen Venezianer verloren – längst hat sie sich in dessen Heimatstadt verliebt. Doch Kreuzfahrttourismus, Immobilienspekulation und gewissenlose Bürgermeister setzen der Stadt zu. Petra Reski kennt sie noch, die alten Venezianer und die Geheimnisse dieser Stadt, sie zeichnet ein wehmütiges Bild von Venedig, dessen Untergang es unbedingt zu verhindern gilt.

„Als ich einmal in den Canal Grande fiel“ ist eine mitreißende und die Augen öffnende Lektüre für alle Venedig-Liebhaber.

Droemer

Hardcover, 18 Euro

DAS BESTE FUSSBALLBUCH ALLER ZEITEN*

(*Wie Zlatan es nennen würde)

Klar, er ist ein unfassbares Großmaul – zumindest für die einen. Der andere Teil der Fußballfans feiert Zlatan Ibrahimovic bedingungslos. Weil er der letzte große Rockstar des Fußballs ist. Weil er ein Mann ist, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Weil er – politisch hoch unkorrekt – den Über-Trainer Pep Guardiola disst. Und weil er einfach und vor allem ein geiler Typ ist, der überall (abseits von Barca) fett abgeliefert hat. Ben Redelings zählt eindeutig zu jenen Anhängern des Sports, die Zlatan lieben und der „Sprüchekönig“ hat der stimmgewaltigen Stürmer-Ikone mit diesem Buch (noch zu Lebzeiten) ein Denkmal gesetzt. Redelings hat die besten, lustigsten, nachdenklichsten, absurdes/en und durchgeknalltesten Sprüche des schwedischen Wunderstürmers gesammelt. Herausgekommen ist, wie Zlatan sagen würde: „Das beste Fußballbuch aller Zeiten“ – und wer sind wir denn, einem Fußballgott zu widersprechen.

Zlatan sagt – Verlag die Werkstatt

144 Seiten, Hardcover, € 16,-

Sweet Dreams

Als die Achtziger ausbrechen, ist Frank Goosen dreizehn, als sie enden, vierundzwanzig. Dazwischen: Schulterpolster, Synthiepop – und jede Menge Veränderung im Ruhrgebiet. Kultur statt Kohle lautet die Devise: Während Zechen und Hochöfen stillgelegt werden, erobert Schimanski die Fernsehbildschirme und Starlight Express die Rollschuhbahnen. Beste Voraussetzungen also, um erwachsen zu werden! In seinen neuen Stories und Glossen nimmt Frank Goosen uns mit in diese legendäre Zeit des kulturellen Wandels. Denn während man sich im Ruhrgebiet zu neuen musikalischen und modischen Höhen aufschwingt, fängt auch für ihn das Leben erst richtig an: Mit fulminantem Witz und viel Selbstironie berichtet er von merkwürdigen Ritualen beim Trio-Konzert und von der Jagd nach dem perfekten Mixtape für Claudia, Kerstin und Frauke. Er erklärt, wieso die Achtziger für ihn vor allem nach Videotheken rochen und wie Billy Crystal ihm einmal eine Beziehung ruinierte. Eine so persönliche wie vergnügliche Zeitreise – für die, die dabei waren, und für alle anderen.

Klartext, 234 Seiten, Paperback, 11 Euro

Die Macht des Charlatans

Wir lesen die kulturhistorische Analyse einer Gestalt, die in wechselnden Rollen die europäische Geschichte seit dem Altertum heimsucht – geschrieben 1937 von der jüdisch-österreichischen Gelehrten Grete de Francesco. In den verschiedenen Charakterzügen des Scharlatans sind schon seine modernen Nachfolger zu erkennen: Hier die Gier der Homöopathie – „Charlatan ist derjenige, der sich rühmt, zu wissen, was er nicht weiß, und Fähigkeiten zu haben, die er nicht hat“ – , dort der Populist, der mit den Tugenden der Erfolgreichen bricht: „Die Macht des Charlatans bestand darin, daß er alle Unsicherheiten einer religiösen, geistigen, historischen oder ökonomischen Situation durch mannigfaltige Fälschungen so auszunützen und zu lenken wußte, daß eine Wertwelt enstand, in der seine eigenen Unwerte zu Werten wurden.“

De Francesco reist durch Wort und Bild durch die Jahrhunderte und entdeckt uns einen markanten Akteur unserer Kultur: In den Taschenspielertricks der Wunderheiler und den Maskenspielen der Verwandlungskünstler auf den Jahrmärkten des 18. Jahrhunderts lassen sich schon die Mechanismen entdecken, die zu späterer Zeit in verheerender Weise die Massen zu beeinflussen und zu beherrschen vermögen. Die Beispiele, die sie in Literatur und Bildkunst für die habsüchtigen und opportunistischen Wahrheitsbeuger findet, fügen sich in eine Erzählung von der Verführbarkeit des Menschen.

Von den Alchimisten und Goldmachern zu den Salbenkrämern und Schwarzkünstlern geht de Francesco durch die Bilderwelten von Renaissance und Barock und präsentiert uns die Meister der Fälschung und auch – ihr Publikum. Denn ihr Buch ist ebenso kultur- und kunstgeschichtliche Studie wie soziologische Untersuchung: Der Tinkturenmischer braucht sein Publikum, es braucht ihn. Die Scharlatanerie ist ein Spiel mit den Hoffnungen des Publikums und der Massen. „Die Hauptkonsumentin der gefälschten Stoffe, die Masse, will sich billig jene Güter zu eigen machen, deren Besitz wegen Teuerkeit die Wenigen, eben die Besitzenden charakterisiert; sie will vermittels der Fälschung etwas scheinen, was sie nicht ist und taucht diesen Wunsch vor sich selber und vor anderen in Geheimnis.“

Von den Geheimtränken ist es nur ein Schritt zum Betrug mit wissenschaftlichen Methoden, wie de Francesco mit Verweis auf die Erkenntnisse der Humanisten zeigt. Im 18. Jahrhundert wusste man schon vom Blendwerk auch im Politischen: „Dort Elixiere, hier Meinungen – am Ende läuft es auf eins heraus.“

„Die Geschichte des Scharlatans schreiben heißt, die Vorgeschichte der Reklame darstellen.“ – Walter Benjamin 1937 in einer Rezension zu Die Macht des Charlatans

AB – Die Andere Bibliothek

456 Seiten – 44 Euro

 

Warum schläft der Polizist?

Von »Born in the U.S.A.« über »Pulp Fiction« bis zum »culture clash« — die 99 witzigsten Episoden aus den Untiefen des deutsch-englischen Kulturkosmos! »Lost in Translation«-Kolumnist Bert Giesche deckt humorvoll auf, wo die Übersetzer unserer Kultfilme, TV-Serien und Lieblingsromane sich sprachlich in die Nesseln gesetzt oder auch mal das Beste aus der Vorlage herausgeholt haben. Er knackt die letzten (inter)kulturellen Rätsel, spürt eingewanderte Wörter wie den »Babyboomer« auf und erklärt, weshalb die »Herzlich-Willkommen«-Matte für neue Anglizismen nur unter ganz bestimmten Kriterien ausgelegt werden sollte.

Klartext-Verlag

208 Seiten – Broschur – 16,95 €*